Eurojade - Le Spécialiste du Jade - The Jade Specialist

BOUTIQUE

Von Caroline Tran-Vinh, Franco Manavella, Franco Salusso

Die “Piemont-Jade” wurde zum ersten Mal auf der Börse in Sainte-Marie- aux-Mines Ende Juni 2010 angeboten und dann Ende Oktober 2010 auch auf den Münchner Mineralientagen verkauft. Frau Caroline Tran-Vinh von der Fa. EuroJADE (FGA, www.eurojade.fr) konnte einige Belegstücke erwerben, um erste Untersuchungen an dieser „Jade“ zu machen, die selten und in ihrer Produktion äußerst begrenzt ist und nicht abbauwürdig erscheint.

Die „Piemont-Jade“ war 2001 von den Strahlern Franco Manavella und Franco Salusso entdeckt worden . Die Leidenschaft dieser beiden Strahler besteht darin, auf der Suche nach den schönsten und wertvollsten Kristallen auch höchste Berge zu besteigen. Den ersten Fund, einen grau-grünen Block von 2 x 1 m, machten sie in einer Ophiolit-Zone des Monte Viso/ Italien in den sekundären alluvialen Ablagerungen des italienischen Piemont [Quellen 2/3]. Der Monte Viso am Ursprung des Po im Varaita-Tal grenzt auf der französischen Seite an das Vallée du Guil. Der Gipfel aber gehört allein zu Italien.

Bei weiteren Exkursionen fanden Manavella und Salusso im Jahr 2003 eine grüne Jade des Typs „Imperial“, entsprechend dem Jadeit aus Birma, der sich ebenso nennt. Im Sommer 2006 und den darauffolgenden Jahren wurden noch andere Jade-Typen entdeckt wie z.B. die sog. „Harlekin-Jade“ und die „Gefleckte Jade“. Nach der Entdeckung der „Piemont-Jade“ haben Stein -und Mineralienfreunde ebenso wie Gemmologen, Geologen, Mineralogen, Chemiker und andere Wissenschaftler harte Diskussionen mit oft gegensätzlicher Meinung zu der Frage geführt: Ist die „Piemont-Jade“ nun eine Jade oder nicht?

George E. Harlow, von der wissenschaftlichen Abteilung (American Museum of Natural History, New York), der bei seinen Vorträgen in den vergangenen Jahren über die „Piemont-Jade“ befragt wurde, äußerte sich so: „ Wenn etwas wie eine Ente aussieht und auch wie eine Ente quakt, ist es eine Ente - ob nun die Omphacit-Jade eine Jade ist? Ich glaube ja, aber es wird der Markt sein, der dies bestimmt“.

2005 erschien ein Artikel in der gemmologischen Zeitschrift des A.F.G., der auf diese Jade verwies, ohne jedoch zu einem endgültigen Schluss zu kommen. Auch fand eine Präsentation während eines Symposiums des F.E.E.G. statt [Quelle 1]. Zuvor schon wurde in der Fachzeitschrift The Journal of Gemmology folgende Klassifizierung vorgeschlagen [Quelle 7]:

Jade mit 75% Omphacit:                   Omphacit Jade

Jade mit 50 – 75% Omphacit:            Omphacit Jade Jadeit

Jade mit 25 – 50% Omphacit:           Jade Jadeit Omphacit

Omphacit (aus dem griechischen „omphax“, bedeutet „grüne Traube“) gehört zur Gruppe der monoklinen Pyroxene. Man findet ihn im Eklogit, einer Varietät des Augit. Zum ersten Mal wurde er 1815 aus Bayern beschrieben. Die Dichte beträgt 3,16 bis 3,43, die Härte 5 bis 6 (Härte des Jadeit: 6,5 bis 7). Omphacit kann grün (leicht bis intensiv grün), rosa oder blau sein. Was die „ Piemont-Jade“ betrifft, wurde ihre Härte mit 6,5 gemessen, also näher an der Härte von Jadeit als an der von Omphacit.

Warum also die Präsentation auf Ausstellungen erst jetzt, einige Jahre nach der Veröffentlichung der Entdeckung der Piemont-Jade 2006? Die Vermarktung der sehr begrenzten Funde und der merkantile Aspekt war nicht das Hauptinteresse der Strahler. Suchen und Finden hat wie bei den meisten alpinen Kollegen den Vorrang. Außerdem muss man stundenlangen marschieren, um an die Fundstellen zu kommen und die Bergung erfordert hohes handwerkliches Können. Diese Bedingungen erlauben keine günstigen Produktionskosten, eine kommerzielle Gewinnung ist deshalb nicht zu erwarten.

Als Ergebnis unserer Untersuchungen kann man mehrere Kategorien für „Jade“ und der anderen Mineralien in Verbindung mit Jade feststellen:

- Die „Grüne Jade“ (giada verde) hat eine hervorragende grüne Farbe, sie ist durchsichtig und kann verglichen werden mit der königlichen “Myanmar-Jade“. Man findet sie in den unterschiedlichen Qualitäten von hervorragend über erstklassig bis zu alltäglich.

Bild 1 (Franco Manavella & Franco Salusso): Rohsteine grüner Jade

Bild 2 (Eurojade): Cabochon aus grüner Jade von seinem Entdecker Franco Salusso geschliffen. Man findet darin Einschlüsse von kleinen Kristallen.

- Die „Harlekin Jade“ (giada arlecchino) setzt sich zusammen aus blass grau-grünem Omphacit, Omphacit Phenokristallen reich an Magnesium(Mg), Calcium (Ca) und Eisen (Fe), einer Menge rosa Epidot, Zoesit und Klinozoesit und Spuren von weiß bis weiß-grünlichem Phengit, weiterhin einer großen Anzahl von dunklem, grau-grünen Chloritoid und rot-orangem Rutil und kleine Pyrit Körner, kupfer-gelb mit braunem Oxydationsrand. Harlekin Jade von bester Qualität hat die Bezeichnung tief blau (top blu) wegen ihres sehr klaren Blaus, das durch die Verwitterung einzelner Pyritkristalle verstärkt wird. Die sog. blaue Harlekin Jade (blu) ist von etwas minderer Qualität. Sie zeigt eine geringere Dichte an Farben oder hat weniger leuchtende Farben.

Bild 3 (Eurojade):

Links: 3 Muster von Harlekin Jade (roh und angeschliffen)

Rechts: 2 Muster von ausgezeichneter blauer Jade (die 2 Tropfen) und zwei Schlüsselanhänger aus Harlekin Jade

- Die „Gefleckte Jade“ (giada maculata) ist ein Gemisch aus Grün und Schwarz, daher die Bezeichnung gefleckt. Hauptsächlich setzt sie sich zusammen aus einer Ansammlung von smaragdgrünem Omphacit, angereichert mit Chrom (Cr) - in der historisch geologischen Literatur als „Smaragdit“ genannt – aus einer Menge dunklem, grün-grauem Chloritoid und aus oliv-grünem bis braunem Epidot.

Bild 4 (Eurojade): Gefleckte Jade

- „Omphacit“ (omfacite)

Monte Viso Stücke wurden in Sainte-Marie-aux-Mines und in München fälschlicherweise als „Smaragdite“ (smaragdite) angeboten – eine Aktinolith-Varietät mit smaragdgrüner Farbe, die durch Chrom (Cr) hervorgerufen wird. Tatsächlich handelt es sich aber um Omphacit. Der Smaragdite, den man in der Monte Viso Region auch findet, hat eine mattere Farbe und keine allzu hohe Härte, die einen guten Schliff erlauben würde.

Bild 5 (Eurojade):

3 Rohstücke von Omphacit, davon eines mit Granat und zwei geschliffene Muster.

- Zoisit (zoisite), wird oft begleitet sowohl von Omphacit als auch von Quarz, bis hin zu Jadeit. Man findet diese nicht nur im italienischen Piemont, sondern auch in Mexiko, USA oder Guatemala.

Bild 6:

Zoisit – Rohstück mit angeschliffener Stirnseite und polierter Tropfen

Das Wissen um die Existenz des Jadeit in den italienischen Alpen ist auf Alexis Damour zurückzuführen, der im Jahr 1881 die Möglichkeit bekam, aus einer Privatsammlung, ein Stück „grünen Jaspis vom Monteviso, Piemont“ zu untersuchen. Mit der Schlussfolgerung, dass dieser ein Jadeit ist. Er lud Geologen und Mineralogen ein, das Fundgebiet dieses Minerals genau zu erforschen [Quelle 3]. 1994 sammelte Dr. Hidehiko Shibakusa Proben, die auf eine Koexistenz in der Region Sesia im Westen der italienischen Alpen hinwiesen [Quelle 6]. Anzumerken ist, dass die Entdeckung der Omphacit Jade sich nicht exklusiv auf die Piemont Region beschränkt. Die Ventana Minig Co. (Los Altos, Californien, USA) präsentierte auf verschiedenen Ausstellungen in den USA tief blaues Material, das im Juni 2003 in der Region Quebrada Seca nahe Carrizal Grande im Distrikt Jalapa, Guatemala, gefunden wurde. Die blaue Farbe ist z.T. bedingt durch Eisen, könnte aber auch dem Titanit zuzuschreiben sein. Blauer Omphacit wurde sowohl in Kanada als auch in Japan gefunden [Quelle 5]

Was sind die gemmologischen Qualitäten der „grünen Piemont Jade“?

Die analysierten Stücke sind durchsichtig und von dunkelgrüner Farbe mit einer gemessenen Lichtbrechung von 1,67-1,68 und einer Dichte von 3,35-3,36. Die Härte beträgt 6,5. Die Reaktion auf UVL und UVC ist mäßig und im Chelsea Filter dunkelgrün. Die Struktur ist mikrokristallin mit grünen und schwarzen Adern und transparenten Kristallen [Quelle 1] Vergleichsweise hat die Jadeit-Jade einen Brechungsindex von 1,65-1,66 und eine Dichte von 3,32-3,33 [Quelle 8].

Bei Laboruntersuchungen konnte man anhand von Dünnschliffen feststellen, dass die hellen Zonen reicher an Diopsid-Hedenbergit, die dunkleren reicher an Jadeit sind. Die chemische Analyse bestätigt eine omphacitische Zusammensetzung der Stücke [Quelle 1]. Hingegen enthält selbst ein intensiv smaragdgrüner Jadeit kleine Mengen von Omphacit zwischen den Kristallkörnern. Die gemmologische Analysen und verschiedene Labor Untersuchungen dieser Stücke ergaben, dass die „Piemont Jade“ hauptsächlich aus Omphacit besteht. Die Farbe entsteht vorwiegend durch das vorhandene dreiwertige Chrom zusammen mit Mangan und Titanit [Quelle 1]

Was kann man also daraus schließen?

Die gemmologischen Laboratorien der Länder mit dem größten Jadeit-Gebrauch (China und Japan) haben keine einheitliche standardisierte Nomenklatur für Jadeit. Deshalb hat im August 2006 die Gemmological Association Hong Kong eine Annäherung an die Zusammenarbeit mit den sechs größten Laboratorien Hong Kongs (LMHC) beschlossen. Nach den daraus resultierten Kriterien wird seitdem der Begriff „FeiCu“ für „ ein polykristallines Aggregat, körnig bis fasrig, bestehend aus Jadeit, aber auch aus anderen Mineralien, wie Omphacit, Kosmochlor, Amphibol und andere Feldspate“ verwendet. Hong Kong gebraucht also den allgemeinen Terminus „FeiCu“ versehen mit dem Zusatz „Jadeit“, „Omphacit“ oder „Kosmochlor“, je nach Ausbreitung des wesentlichen Begleitminerals. Die dem LMHC angeschlossenen Laboratorien (Thailand, Italien, Schweiz, Japan, USA) unterscheiden dagegen klar Omphacit von Jadeit. Die Gemmologie hat also hier nicht die Tradition früherer Epochen, Nationalitäten und Kulturen aufgegriffen.

Ein anderes nicht zu vernachlässigendes Kriterium, das in Betracht gezogen werden muss, ist die kommerzielle Dimension der Vermarktung, die immer auch gebunden ist an den Namen des Materials. In diesem Fall ist es eindeutig, dass man aktuell im Handel eher von „Jadeit“ als von „Kosmochlor“ spricht. Indem man nun Jadeit, Omphacit und Kosmochlor durch die gleiche Bezeichnung „FeiCu“ vereinigt, ist es möglich, einen größeren Markt als nur den Jadeit-Markt zu erreichen. Auch ist der Ausdruck „Omphacit-Jade“ geläufiger, als das einfache Wort „Omphacit“.

So ist also der Name „Jade“ nur mit Vorsicht zu gebrauchen. Die „Piemont Jade“, die dem Publikum zum ersten Mal in Sainte-Marie-aux-Mines und in München gezeigt wurde, ist aber tatsächlich eine Omphacit-Jade, die immerhin von gewissem gemmologischen Interesse ist. Die Zukunft wird entscheiden, ob ihre Verbreitung auf Grund des schwierigen Abbaus im Hochgebirge fortschreiten kann.

Quellennachweis:

No. 1: Adamo I., Pavese A., Prosperi L., Diella V., Ajo D., Dapiaggi M., Mora C., Manavella F., Salusso F., Guilano V. (2006) – Characterization of omphacite jade from the Po valley, Piedmont, Italy – the Journal of Gemmology, Vol. 30 (3/4), p. 215-226

No. 2: Compagnoni R., Rolfo F. (2003) – First report of jadeitite from the Monviso meta-ophiolite, Piemonte Zone, Italian Western Alps – Geoitalia, 4. Forum FIST, Bellaria, 16-18 September 2003, p. 205-206

No. 3: Compagnoni R., Rolfo F., Manavella F., Salusso F. (2007) – Jadeitite in the Monviso meta-ophiolite, Piemonte Zone, Italian Western Alps – Periodoco de Mineralogia, 76, 2-3, p. 79-89, Special Issue

No. 4: Gaaj-Zenhokyo laboratory (2009), Lab Report – Natural Omphacite

No. 5: Harlow G.E. – Blue omphacite in jadeitites from Guatemala and Japan (2003) – Crystal chemistry and color origin – Geological Society of America Annual Meeting, Seattle, Washington, 2-5 November 2003

No. 6: Matsumoto Keisaku und Hirajima Takao (2005) – The coexistence of jadeite and omphacite in an eclogite-facies metaquartz diorite from Southern Sezia Zone, Western Alps, Italy – Journal of Mineralogical and Petrological Sciences, Vol. 100, p. 70-84

No. 7: Mei Y.C., Qi L.J., Li, Hansheng L. und Kwok B. (2003) – recent studies on inky omphacite jade, a new variety of pyroxene jade – The Journal of Gemmology, Vol. 28, n° 6, p. 337-344

No. 8: Ou Yang, C.M., Qi Li Jian (2001) – Hte long sein – a new variety of chrome jadeide jade – The Journal of Gemmology, Vol. 27, n° 6, 321-7

 

Autorenkontakt

Caroline Tran-Vinh, FGA, eurojade@orange.fr

Franco Manavella, Via Pinerolo, 10060 Macello, Turin, Italien

Franco Salusso, Via Papa Giovanni XXXIII 11, 10060 Bricherasio, Turin, Italien

     

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